21.11.08 22:12 Alter: 3 yrs

Festivalsommer in Luzern und Davos

Kategorie: Kultur

 

Das diesjährige Lucerne Festival, eines der ältesten Festivals der klassischen Musik, steht während über 100 Konzerten im Zeichen der Tanzmusik. Am Davos Festival, einem Kammermusikfestival für junge Musiker, lautet das Motto "Equinox".

Das Lucerne Festival wolle die besten Orchester in einer der renommiertesten Konzerthallen der Welt präsentieren, erklärt der Intendant Michael Haefliger. "Die Betonung liegt auf der Konzertmusik, insbesondere auf Orchestermusik; dies im Gegensatz zu den Salzburger Festspielen, die sich auf die Oper konzentrieren. Der Anreiz des Lucerne Festival besteht darin, dass das Publikum über einen Zeitraum von fünfeinhalb Wochen an einem Ort die beste Orchestermusik der Gegenwart erleben und vergleichen kann." Für den Festivalsommer 2008 sind 32 Sinfoniekonzerte geplant. Zu den eingeladenen Orchestern gehören die New Yorker und die Wiener Philharmoniker. Das Lucerne Festival Orchestra, dirigiert von Claudio Abbado, steht für einen weiteren Höhepunkt. "Seit der Gründung durch den italienischen Dirigenten Arturo Toscanini im Jahr 1938 kommen regelmässig die bedeutendsten Orchester und Dirigenten ans Lucerne Festival ", sagt Haefliger. Im Laufe der Jahre wurde das Programm um Solokonzerte, Kammermusik und eine "Debut " genannte Konzertreihe zur Förderung junger Talente erweitert.

 

Tanzmusik im Rampenlicht

 

"Zwischen Tanz und Musik besteht eine sehr enge Beziehung. Bewegung und Tanz haben die Musik seit ihren Anfängen begleitet und ihre Entwicklung wesentlich mitbestimmt. Deshalb haben wir Tanzmusik zum Thema des Festivalsommers 2008 gemacht ", erklärt Haefliger. Die Barockmusik beispielsweise wurde ursprünglich als Tanzmusik komponiert, und man tanzte damals zu Barocksuiten von Johann Sebastian Bach und Jean- Baptiste Lully. "Heute haben wir den Tanzaspekt dieser Musik vergessen und betrachten Barockmusik als festen Bestandteil des klassischen Musikrepertoires", sagt Haefliger. Als weiterer Beitrag zum Thema Tanzmusik stehen die klassischen Meisterwerke auf dem Programm, die für das Ballettensemble Ballets Russes von Serge Diaghilew komponiert wurden. Igor Strawinsky, Maurice Ravel und Sergei Prokofjew gehörten zu den vielen Komponisten, die Musik für dieses aussergewöhnliche Ballettensemble schrieben. "Aus diesen Werken ist im Laufe der Zeit Konzertmusik entstanden. Wir werden sie am Lucerne Festival jedoch nicht choreografieren, sondern in ihrem eigenen Kontext aufführen", fügt Michael Haefliger hinzu. Neben vielen Musikstücken, die dem Tanz und Ballett gewidmet sind, präsentiert der Choreograf und Regisseur Joachim Schloemer am Festival zwei Weltpremieren. Diese beruhen auf den sechs Cellosuiten von Johann Sebastian Bach sowie auf der Oper "Die Entführung aus dem Serail " von Wolfgang Amadeus Mozart. Und George Benjamin, der diesjährige "composer-in-residence", arbeitet an einem Klavierstück, das am 30. August mit Pierre-Laurent Aimard als Solist seine Weltpremiere feiern wird. Zu den Höhepunkten des Festivals zählt der Auftritt der Wiener Philharmoniker mit ihrem Dirigenten Riccardo Muti am 8. September. Im ersten Teil des Konzerts spielt der Violist Antoine Tamestit, Gewinner des Credit Suisse Young Artist Award 2008, das Konzert für Viola von Béla Bartók. "Die Darbietung wird einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Viola als Soloinstrument leisten. Tamestit ist ein hoch begabter Musiker mit einem feinen Gespür für das Violarepertoire jeder Musikepoche", meint Haefliger, Mitglied der fünfköpfigen Jury, die den Preis vergab. "Neben einem Rezital musste er vor der Jury seine Meinung zur Bedeutung der Musik in der Gesellschaft darlegen. Das hat uns überzeugt. Antoine Tamestit verkörpert den Typ des weltoffenen und modernen Künstlers, den wir auszeichnen wollen." (Mehr über Antoine Tamestit im Interview auf Seite 14.) Der zweite Teil des Konzerts ist der Sinfonie Nr. 2 in c-Moll von Anton Bruckner gewidmet.

 

Langfristige Planung nötig

 

Mit der Planung des diesjährigen Festivals wurde bereits vor drei Jahren begonnen. "Das Lucerne Festival ist in einer sehr starken Position, weshalb die Hauptschwierigkeit nicht darin besteht, Orchester oder Solisten einzuladen. Die grösste Herausforderung ist vielmehr, ein abwechslungsreiches Programm zu gestalten, welches das Publikum anspricht ", betont Haefliger. Rund 85 Prozent des Publikums an den Konzerten sind Schweizer, der Rest kommt mehrheitlich aus Deutschland, Italien und Grossbritannien. "Mit einem Durchschnittsalter von rund 50 Jahren ist das Publikum nicht gerade jung. Mit Nachtkonzerten, die jeweils um 22 Uhr beginnen, und einem Open-Air-Strassenmusikfestival versuchen wir auch jüngere Besucher anzulocken", so Haefliger weiter. Um fehlendes Interesse muss er sich indessen keine Sorgen machen. Mehr als 100 000 Zuschauer zählte das letztjährige Sommerfestival, und die Buchungsrate erreichte 94 Prozent. "Es liegt an der Tradition und der Qualität des Festivals, dass die Besucher men. Innovative Projekte haben seine Identität bis zu einem gewissen Grad ebenfalls gestärkt." Bevor er 1999 Intendant des Lucerne Festival wurde, hatte Haefliger 1986 das Davos Festival gegründet. "Ich hatte gerade das Studium abgeschlossen und wollte eine Plattform für junge Künstler schaffen, die ihnen die Möglichkeit bot, zusammen mit anderen Musikern Kammermusik zu spielen", erinnert sich Haefliger. Das zweiwöchige Davos Festival beginnt am 26. Juli unter dem Motto "Equinox", den zwei Tagen des Jahres, an denen Tag und Nacht gleich lang sind. "Die Musik, die im Rahmen der 23. Auflage des Davos Festivals gespielt wird, steht in Verbindung mit der Nacht und der Welt der Träume, aber auch mit dem Wechsel von Licht und Farben in der Musik. Ein Konzert findet während einer musikalisch untermalten Bergwanderung im Morgengrauen statt ", erklärt Graziella Contratto, Dirigentin und derzeitige Intendantin des Festivals. Rund

60 junge Musiktalente wurden zu den Konzerten eingeladen. "Bei der Auswahl der Musiker ist es mir wichtig, dass sie gute Kammermusik spielen können und einander gut ergänzen. Es hat keinen Sinn, einen begnadeten Solisten einzuladen, der nicht über das Einfühlungsvermögen und die Sensibilität verfügt, um in einem Ensemble zu spielen. Das Ziel ist es, ihr künstlerisches Ego im wahrsten Sinne des Wortes zu erschliessen, um ein Wir -Gefühl zu generieren."

 

Zeitgenössische Musik im Programm

 

Bei der Kammermusik denkt man unwillkürlich an die Musik der Barockzeit. "Zeitgenössische klassische Musik kommt nicht zu kurz und ist ein fester Programmbestandteil des Davos Festivals. Moderne Musik wird nicht nur gespielt, sondern mit Cécile Marti und Laurent Mettraux wurden auch zwei Schweizer Komponisten eingeladen. Zwei ihrer Werke, die speziell für das Festival geschrieben wurden, feiern am 30. Juli ihre Weltpremiere ", erklärt Contratto. Als Novum findet am diesjährigen Festival ein dem Publikum offenstehender Komponisten- Workshop unter der Leitung des estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür statt. "Der Workshop beschäftigt sich mit dem Musikstil der eingeladenen Komponisten und ihrer Vision der Klanggestaltung ", sagt Contratto. Zu den weiteren Neuheiten gehören neue Konzertorte, darunter eine Schreinerei, der Wartesaal des Bahnhofs Davos Platz und mehrere Bergkapellen. Ein Konzert findet in der Lobby des Hotels Schatzalp statt, das zu Beginn der vorletzten Jahrhundertwende im Jugendstil erbaut wurde. Das Publikum wird dabei einem Trio lauschen, das auf einer Chaiselongue spielt - so wie die Gäste im Davos von Thomas Manns "Zauberberg" die Zeit zu verbringen pflegten. Die meisten Konzerte finden im Kongresszentrum Davos statt. Der Ruhm des Festivals wächst, und die letztjährige Auflage zog bereits über 5000 Zuschauer an. Die Credit Suisse ist seit der Gründung im Jahr 1986 Partner des Davos Festivals.

Aus dem Bulletin der Credit Suisse